Die bekanntesten Züge der ÖBB Flotte erhalten ein Upgrade. Alle 60 Railjets der Bestandsflotte werden in den nächsten Jahren umfassend modernisiert. Mit über 15 Jahren auf Schiene und ungefähr nach der Hälfte ihrer geplanten Einsatzzeit werden die ÖBB Railjets in punkto Technik und Komfort auf ein neues Niveau gehoben. Bis 2031 sollen alle Bestandsgarnituren modernisiert werden und an den Qualitätsstandard der Railjets der neuen Generation angepasst sein.
ÖBB CEO Andreas Matthä und Bernhard Gritzner, Geschäftsführer der ÖBB-Technische Services Foto: Marcel Manhart
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 230 km/h fährt der Railjet (RJ) durch ganz Österreich und nach Deutschland, Italien, Ungarn, Tschechien, in die Slowakei oder in die Schweiz. Auf der Brennerstrecke zwischen München - Innsbruck - Bozen und Verona sind bereits die ersten Railjets der neuen Generation im Einsatz. Insgesamt sind 27 Railjets der neuen Generation sowie 14 neue Railjet Doppelstockzüge (Stadler KISS) für den Einsatz auf den Fernverkehrsstrecken bestellt.
In den nächsten Jahren werden aber auch alle 60 Railjets aus der Bestandsflotte sukzessive einem Upgrade-Programm in punkto Design, Innenausstattung und Technik unterzogen: "Mit dem Railjet Upgrade erhöhen wir den Komfort und Qualitätsstandard in unseren Zügen deutlich, um unseren Fahrgästen maximalen Reisekomfort auf der Schiene zu bieten. Die Modernisierung und der Umbau bestehender Garnituren bieten eine sinnvolle und nachhaltige Alternative zu neuen Fahrzeugen. Mit der ersten fertiggestellten Garnitur können wir am 12. Dezember 2025 bereits die Eröffnung des Koralmtunnels feiern,“ unterstreicht ÖBB CEO Andreas Matthä.
"Investitionen in die Bahn sind Investitionen in eine klimafreundliche und zukunftssichere Mobilität. Mit moderner Infrastruktur und komfortablen Zügen schaffen wir die Basis für eine erfolgreiche Mobilitätswende. Bis 2030 fliessen rund 19,7 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung des österreichischen Bahnnetzes – ein klares Bekenntnis zu Qualität, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit. Zusätzlich investieren die ÖBB rund 6,1 Milliarden Euro in ihre Fahrzeugflotte. Die modernisierten Railjets werden den Komfort und das Reiseerlebnis im Fernverkehr spürbar verbessern“, betont Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.
Einsatz der modernisierten Railjets
Die erste, fertig modernisierte Railjet-Garnitur **47 wird ihr Debüt im Rahmen der Eröffnung auf der Koralmbahn am 12. Dezember 2025 durch den Tunnel feiern und den Namen „Koralmjet“ tragen. Ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 kommt die erste upgegradete Garnitur auf der Direktverbindung zwischen Wien und Lienz zum Einsatz. Die modernisierten Züge werden zukünftig auf den Railjet-Strecken in Österreich, Deutschland, der *Schweiz, *Ungarn, der Slowakei, Tschechien und Italien eingesetzt.
Das Railjet Upgrade
Im Zuge des Upgrades werden die alten Sitze der bestehenden Railjets in der Ersten und Zweiten Klasse gegen neue getauscht, die Sitze in der Business Class werden erneuert. Die Modernisierung umfasst zudem Fußstützen, Haltegriffe sowie größere Klapptische. Das Design der Innenausstattung passt sich ans Look & Feel des Railjet der neuen Generation an und zeichnet sich durch eine moderne Holzoptik und durchgehende Rückenlehnen an den Sitzen für mehr Privatsphäre aus. Außerdem werden die Wagen mit neuen Bodenbelägen, einem verbesserten Fahrgastinformationssystem sowie optimierten Kinderwagenabstellplätzen ausgestattet.
Wagenklassen
Alle Railjet-Garnituren der 1. Generation bietet drei Klassen: die Economy Class/2. Klasse, die First Class/1. Klasse und die Business Class. Die Economy Class ist in einer Sitzplatzteilung 2+2, die First Class hingegen 1+2 ausgeführt. Die Business Class in den Railjets der ÖBB verfügt über zwei Vierer-, zwei Dreier- und zwei Einer-Abteile. Die Garnituren werden mit Wagen aus der Fahrzeugfamilie Siemens Viaggio Comfort gebildet, welche auf den Modularwagen von SGP basieren.
Insgesamt bieten die Railjet-Garnituren 01 bis 51 nach dem Einbau von fünf Fahrradstellplätzen 404 Sitzplätze, davon 16 in der Business-, 76 in der First- und 312 in der Economy-Klasse. Die 16 Sitze der Business-Klasse befinden sich im Steuerwagen. Ein Grossraumwagen ist mit 55 Sitzplätzen der First-Klasse bestückt, in einem Wagen befinden sich das Restaurant und zehn Sitzplätze der First-Class. Drei Wagen sind Grossraumwagen mit je 80 Sitzplätzen der Economy-Class und ein Wagen ist Kuppelwagen mit 72 Sitzplätzen der Economy-Class und einseitiger Regelzug- und Stossvorrichtung.
Die Garnituren 52 bis 60 wurden standardmäßig mit sieben Fahrradstellplätzen ausgestattet. Ein zusätzlicher Wagen der zweiten Klasse anstelle eines erste-Klasse-Wagens erhöht die Sitzplatzkapazität auf 442 Plätze, davon 6 in der Business-, 42 in der First- und 394 in der Economy-Klasse. Für die Business-Klasse ist auf Strecken innerhalb Österreichs ein Zuschlag von 15 Euro zu zahlen, auf Strecken ausserhalb Österreichs gilt dieser Zuschlag nicht; inbegriffen ist darin ein Gratisgetränk nach Wahl, Zeitungs- sowie Am-Platz-Service. Sie ersetzte ab 1. April 2012 die zuvor angebotene Premium-Class. Diese war jedoch wirtschaftlich ein Fehlschlag: Die Premium-Klasse (die immerhin einen halben Wagen belegte) war überwiegend leer. Der Zuschlag für die Top-Klasse sank von 25 auf 15 Euro. Bauliche Veränderungen entfielen jedoch aus Kostengründen.
*Einsatz in der Schweiz und in Ungarn
Alle 60 ÖBB-Garnituren sind ab Werk mit Fahrzeugeinrichtungen für die Zugbeeinflussungen (PZB, LZB) für Deutschland und Österreich ausgestattet. Des Weiteren wurden bei den Wagenzügen und Lokomotiven 1 bis 23 zusätzliche Fahrzeugeinrichtungen für den erweiterten Einsatz in der Schweiz (ZUB, Integra) und Ungarn (Mirel in Steuerwagen, und EVM in Lok) eingebaut. Die Lokomotiven erhielten einen dritten Stromabnehmer mit einer schmalen Palette für die Schweiz. Da man mehr für Ungarn taugliche Einheiten benötigte, ist bei den Garnituren 29 bis 31 zusätzlich die Zugbeeinflussung Mirel im Steuerwagen und EVM in die Lokomotiven 1116 229–231 eingebaut worden. Da seit Dezember 2012 auf der Neubaustrecke Wien – St. Pölten die europäische Zugbeeinflussung ETCS Level 2 angewendet wird, wurden in allen Garnituren ETCS-Fahrzeuggeräte eingebaut.
**Hintergrund
Weshalb die (relativ neue) Railjet-Garnitur Nr. 47 und nicht etwa die Garnitur Nr. 01? Dies liegt daran, dass dieser Zug am 16. September 2024 am Bahnhof Lindau-Reutin bei einer Streifkollision beschädigt wurde und ohnehin in die Werkstätte des ÖBB-Technische Services musste. Verletzt wurde damals übrigens niemand.

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