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RhB: Bahnersatz im Unterengadin zwischen Susch und Scuol-Tarasp wegen Bauarbeiten

Für die Sanierung des Magnacun- und des Giarsuntunnels der Rhätischen Bahn (RhB) wird vom 11. März 2019 bis 7. September 2019 die Strecke zwischen Susch und Scuol-Tarasp für den Zugverkehr gesperrt. Die RhB nutzt die Totalsperre, um weitere Projekte effizient umzusetzen und Baukosten zu sparen. Insgesamt investiert sie 88 Millionen Franken. Während der halbjährigen Sperrung verkehren im Unterengadin Bahnersatzbusse mit leicht angepassten Fahrzeiten. Für die Transportkunden der Bündner Güterbahn wird eine alternative Umschlagsmöglichkeit am Bahnhof Zernez angeboten. Der Autoverlad Vereina und die Direktverbindungen zwischen Landquart und St. Moritz sind nicht betroffen.

Für die Sanierung des Magnacun- und des Giarsuntunnels wird die Strecke gesperrt                               Foto: Marcel Manhart

 

 

 

 

 

Die Reisenden vom und ins Unterengadin werden während der Sperre über den Bahnhof Susch gelenkt. Zwischen Susch und Scuol-Tarasp verkehren direkte Bahnersatzbusse von PostAuto Graubünden. Lavin (Volg), Guarda (Giarsun) und Ardez werden mit Bussen ab den Bahnhöfen Susch und Scuol-Tarasp erschlossen. Ftan Baraigla wird während der Totalsperrung nicht bedient. Die genauen Abfahrtszeiten der Bahnersatzbusse sind in allen Fahrplänen kommuniziert sowie am Ende dieses Berichts zum Download bereitgestellt.

 

 

Instandsetzung Giarsun- und Magnacuntunnel

 

Die beiden Tunnel Giarsun und Magnacun im Unterengadin zwischen Guarda und Ardez wurden vor über 100 Jahren am 28./29. Juni 1913 in Betrieb genommen. Im Einflussbereich der Grossrutschung «Murtera» werden die Bauwerke heute bis zu 10 Millimeter pro Jahr hangabwärts in Richtung Inn geschoben. Die Bewegung zeigt sich durch schwere Schäden an den Kunstbauten und Bahnanlagen. Die Instandsetzung und damit die Erhöhung der Sicherheit der Bahnstrecke dauert rund vier Jahre und kostet 44 Millionen Franken.

 

 

Den Überblick behalten

 

Der 3.7 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen Guarda und Ardez liegt in wunderbarer Landschaft und in ausserordentlich komplexen geologischen Verhältnissen: Die gesamte Talflanke vom Piz Cotschen bis zum Inn ist als grosses Rutschgebiet «Murtera» bekannt. Die

RhB-Linie fährt hier am Westrand des «Unterengadiner Fensters» durch, wo ältere von jüngeren Gesteinsschichten überlagert werden. Die Gesteinsmatrix ist teils sogar mit Gneisen, Amphiboliten, Dolomit, Gips, Schiefer und Serpentiniten durchmischt. Bereits die Erbauer der Tunnel haben aussergewöhnlich massive Konstruktionen mit bis zu 1.25 Meter Mauerstärke gebaut, um die Stabilität zu gewährleisten. Ziemlich unbeeindruckt von all den Massnahmen übt der Untergrund stetig grosse Gebirgsdrücke auf die Bauwerke aus, was zu Profilverdrehungen/-verkippungen, Rissen, Einbauchungen und Folgeschäden durch Wassereintritte und Eisbildung führt.

 

 

Giarsuntunnel wird abgebrochen

 

Verschiedene Lösungsansätze wurden geprüft. Wie bereits vor über 100 Jahren wurde auch eine tiefliegende Tunnelumfahrung «Magnacun» in Erwägung gezogen, aufgrund der hohen Kosten und der bautechnischen Schwierigkeiten jedoch verworfen. Mit dem aktuellen Projekt werden beide Tunnel für die Zukunft fit gemacht. Der Giarsuntunnel wird komplett abgebrochen, das Tunnelprofil aufgeweitet und die Tunnelverkleidung segmentiert. Dies gibt der an sich starren Röhre die notwendige Flexibilität, um die Bewegungen des Untergrunds mitzumachen. «Mit der Geologie arbeiten und nicht gegen sie», ist das Motto.

 

Die 250 Meter messende Portalzone West des Magnacuntunnels wird nach demselben Konzept erneuert. In der restlichen Tunnelstrecke, welche zum Start des gegenwärtigen Milleniums letztmals umfassend ertüchtigt wurde, wird auf die Erweiterung des Tunnelprofiles

verzichtet und nur lokal Eingriffe an der Tunnelverkleidung zur Gewährleistung der Betriebssicherheit vorgenommen: Ersatz des Mauerwerks, Ersatz der Spritzbetonschalen sowie Abdichtungsmassnahmen. Zur Erhöhung der Sicherheit werden beide Tunnel mit Handlauf und integrierter Notbeleuchtung sowie Kommunikationseinrichtungen ausgerüstet und in den neu erstellten Tunnelabschnitten Fluchtwege für den Ereignisfall eingerichtet.

 

Die Kunstbauten der offenen Strecke Magnacun zwischen beiden Tunneln werden ebenfalls abgebrochen und durch neue Konstruktionen ersetzt. Die bergseitige Stützmauer muss aufgrund der angepassten Gleisachse und des grösseren Lichtraumprofils weiter hangaufwärts

angeordnet werden, wodurch sie höher wird. Die Schäden sind hier wesentlich kleiner als in den Tunnel, aber auch hier macht sich die Hangrutschung bemerkbar. Die Brücke über den Aua da Magnacun wird unter Berücksichtigung der Naturgefahren von aktuell 3.5 Meter

Spannweite auf 10.0 Meter verlängert und der Durchlass für den Ereignisfall entsprechend erweitert.

 

 

Umweltaspekte

 

Neben den Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Bereich der Naturgefahren werden bei der Projekteumsetzung auch umfassende Massnahmen zum Schutz der Umwelt ergriffen. Beispielsweise werden der umsichtige Abtrag und die Zwischenlagerung von Böden oder der Erhalt und Ersatz von Lese-Steinhaufen als Unterschlupf für Reptilien und Kleinlebewesen realisiert. In Abstimmung mit der Gemeinde Scuol kann zudem eine projektspezifische Deponie «Tars 1» bei Ardez realisiert werden, was kurze Wege für die notwendigen Abtransporte

von Ausbruchmaterial mit Lastwagen ermöglicht.

 

 

Bauprogramm und Bahnersatz

 

Aus Gründen der Sicherheit und der Wirtschaftlichkeit erfolgt ein wesentlicher Anteil des Tunnelbaus in einer sechsmonatigen Totalsperre des Streckenabschnittes Sagliains – Scuol-Tarasp, die vom 11. März 2019 bis 7. September 2019 dauert. In dieser Phase erfolgen Ausbruch, Sicherung und Abdichtung der Tunnel und - soweit zeitlich möglich - der Einbau der Tunnelverkleidung. Für die Fahrgäste und für den Güterverkehr im Unterengadin werden leistungsfähige Ersatzbetriebe eingerichtet. Der Autoverlad Vereina ist vom Betriebsunterbruch nicht betroffen. Insbesondere nach der Totalsperre werden verlängerte Nachbetriebspausen bis Juni 2020 durch einen Busbetrieb kompensiert. Danach erfolgt der Neubau der Brücke «Aua da Magnacun» und 2021 der Bau der Stützmauer in der offenen Strecke zwischen den Tunnel. Das zeitlich engmaschige Programm zu Beginn und am Ende der Totalsperre bedeutet für alle beteiligten Fachdienste eine grosse Herausforderung und verlangt eine minutiöse Planung.

 

 

Projekt «Neuer Umsteigebahnhof und Optimierung Autoverlad Sagliains»

Mit dem Angebotskonzept Retica 30 vollzieht die RhB den Halbstundentakt auf ihren wichtigsten Linien. Da sich die Angebotserweiterung vor allem auf das Prättigau auswirkt, hat sie auch Einfluss auf die Personenzüge durch den Vereinatunnel in Richtung Scuol-Tarasp und St. Moritz sowie auf den Autoverlad am Vereina. Heute finden in Sagliains sowohl der Autoverlad Süd des Vereinatunnels als auch der Personenumstieg Engadin/Prättigau statt. Damit das Angebotskonzept umgesetzt werden kann, müssen der Autoverlad und der Personenzugsverkehr entflechtet werden. Die Umsteigestation Sagliains entspricht zudem heute nicht dem Behindertengleichstellungsgesetz und ist für die neuen Flügelzüge zu kurz.

 


Verlade-/Umsteigesituation heute


Der Verlad von LKW am Vereina führt heute dazu, dass sich Personen- und Autozüge behindern. Für das Auf- und Abladen von Lastwagen müssen die Autozüge jeweils vorgezogen werden, was immer wieder zu längeren Wartezeiten für die Reise- und Autozüge führt. Das Vorziehen der überbreiten Autozüge verunmöglicht zudem eine Perronerhöhung im heutigen Umsteigebahnhof Sagliains, was dazu führt, dass die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht erfüllt werden können.

 


Ziele des Projektes


Das Projekt «Neuer Umsteigebahnhof und Optimierung Autoverlad Sagliains» sieht eine Entflechtung von Reise- und Autozügen, einen behindertengerechten Umbau der Umsteigestation Sagliains sowie eine Verbesserung der betrieblichen Abläufe in Sagliains vor. Damit die
Gleis- und Perronanlage gemäss den geltenden Anforderungen ausgebaut werden kann, wird die Umsteigestation Sagliains gegenüber heute verlängert und um rund 180 Meter in Richtung Lavin verschoben. Hauptbestandteile des Projektes sind:
• Verschiebung und Anpassung der Gleis- und Perronanlage Sagliains
• Verlängerung der Verladerampe bei Gleis 1 für einen optimierten Lastwagenverlad
• Optimierung der Weichenverbindungen in Sagliains
• Anpassung der Sicherungsanlagen in Sagliains und Lavin

• Kosten CHF 29.8 Mio.

 

 

Bauarbeiten 2019 und 2020


Die folgenden Hauptarbeiten werden ab dem 11. März 2019 ausgeführt und werden voraussichtlich bis im Herbst 2019 dauern:
• Gleis-, Sicherungsanlagen und Anpassungen an der Fahrleitung
• Erweiterung der Brücke Aua da Sagliains und Verlängerung der Verladerampe 1 für den Autoverlad
• Abbruch und Neubau der Perronanlage
• Perrondach mit Kundeneinrichtungen
• Bau des Dienstzugangs auf den Perron
• neue Unterführung Crusch
• 2020 Abschlussarbeiten



Projekt «Ausbau Bahnhof Lavin»

Das Projekt sieht im Wesentlichen den Ausbau und die Modernisierung des Bahnhofs vor. Dies, um den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) zu entsprechen und um die zukünftigen betrieblichen Anforderungen zu erfüllen. Der Ausbau des Bahnhofs Lavin hat eine vollständig neue Gleisanlage zur Folge. Für den schienenfreien Zugang zum Perron auf Gleis 2 ist eine Personenunterführung von rund 26 m Länge sowie ein überdachter Treppen- und Rampenaufgang auf der Seite des Aussenperrons
geplant. Die Länge der beiden Aussenperrons beträgt neu 200 m. Beim Gleis 2 ist der Perron im Bereich der Aufgänge auf einer Länge von 90 m überdacht. Die neuen Perrons sind breit und erfüllen die heutigen Sicherheitsanforderungen. Eine Überquerung der Gleisanlage ist nicht mehr erforderlich. Die Perronkanten werden über die gesamte Länge behindertengerecht ausgeführt. Dadurch ist ein autonomer Einstieg in einen Bahnwagen mit Niederflurabteil möglich. Im Bereich des Rampenaufgangs beim Gleis 2 ist neu eine Wartekabine vorgesehen. Im Aufnahmegebäude stehen den Kunden wie bis anhin der beheizte Warteraum und die WC-Anlage zur Verfügung.

 

 

Bauarbeiten vom 11. März 2019 bis November 2019


- Gleis-, Sicherungsanlagen und Fahrleitung
- Personenunterführung, Treppen- und Rampenzugänge zur Unterführung
- Perronanlage mit Überdachung
- Unterirdische technische Räume für elektronische Anlagen
- Neue Eingleisstelle für Rettungsfahrzeuge
- 2020 Abschlussarbeiten
- Kosten CHF 10 Mio.


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Info-Flyer mit Projektbeschrieb
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Fahrplan Bahnersatzbusse
Totalsperre_Unterengadin_-_Fahrplan_Bahn
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